Archive / August, 2013

HR-Info zum Thema Bitcoin

In Folge des erhöhten Medieninteresses durch die “Legalisierung” von Bitcoins durch den deutschen Bundestag, am Dienstag den 27.08.2013, berichtete der Infosender des Hessischen Rundfunks in einem Schwerpunktbeitrag zum Thema Bitcoin (http://www.hr-online.de/website/radio/hr-info/index.jsp?rubrik=47572&key=standard_document_49453289). Im Rahmen der Sendung wurde auch Bitcoin-Frankfurt-Member Eric als Vertreter der hiesigen Bitcoin-Nutzerschaft interviewt (ab 2:05):

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Ebenfalls in dieser Sendung zu Wort kamen unter anderem BVDW-Justiziar Michael Neuber, welcher – wohl durch die Interessen der von ihm vertretenen Organisation  bestimmt – noch einmal auf die angebliche Notwendigkeit des staatlichen Verbotes von Bitcoin hinwies. Schließlich sei es der Fall, dass durch Bitcoins “größtenteils illegale Geschäfte über diese Privatwährung abgewickelt werden”. Aha. Auf Basis welcher Daten und Fakten Herr Neuber seine Behauptungen in diesem Falle aufbaut, bleibt nebulös – aber einfach mal eine solche Unterstellung raushauen, das kann man ja schon einmal machen. Offenkundig scheint dort jemand die “Gefahr” für so mancherlei althergebrachtes Geschäftsmodell erkannt zu haben und versucht den Wettbewerber durch entsprechende Diskreditierung bereits in der Frühphase seiner Verbreitung einzudämmen. Und da auf Grund der überlegenen Eigenschaften des Systems der Kryptowährungen im Vergleich zu den bisherigen Lösungen diese Diskreditierungsversuche  alleine bei Weitem nicht ausreichen werden, wird eben noch nach politischen Verboten für den Wettbewerber gerufen… – nun denn, eine sicherlich wenig überraschende Strategie, welche aber mittelfristig auf Grund des überlegenen Designs des Bitcoin wohl dennoch wenig Erfolg zeitigen wird. Die “Wertunsicherheit” des Bitcoin als Argument gegen den Bitcoin in die Diskussion einzuführen, mag zwar auf den Laien zunächst auch einen gewissen Eindruck zu erwirken – im Hinblick darauf, dass der Euro (und mit ihm jegliche alternativen FIAT-Währungen) auf Grund seines Designs aber als einzige Sicherheit zu bieten hat, seinen Wert über die Zeit mit Sicherheit zu reduzieren, ist auch dieses Argument letztlich auf tönernen Füßen gebaut. Im Hinblick auf die derzeit noch vorhandene vergleichsweise hohe Volatilität, ist sowohl theoretisch anzunehmen, dass diese sich mit der zunehmenden Verbreitung als praktisch genutztes Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel reduzieren wird – als auch praktisch bereits feststellbar, dass die Kursausschläge sich über den Zeitverlauf der Verbreitung der Bitcoin-Ökonomie hinweg bereits auf einem zunehmend geringerem Niveau einpendeln (http://bitcoinmagazine.com/6543/bitcoin-volatility-analysis/).

 
Auch die Äußerungen des Chefvolkswirtes der Commerzbank, Jörg Krämer, sind insoweit mitunter im besten Falle als “uninformiert” zu bezeichnen, wenn man ihm nicht unterstellen möchte, Bitcoins als potenzielle Bedrohung für das Geschäftsmodell seines Arbeitgebers (www.screwbanks.net) bewusst als inferiore Alternative zum derzeit noch überwiegend genutzten FIAT-Geld darzustellen. Auch der “beispiellose Absturz” im Bezug auf die Wertentwicklung des Bitcoin im Jahre 2013 taugt wohl als Mittel um den Laien vom Bitcoin abzuschrecken… – bei einer – trotz des Preisrückgangs in Folge der Blase vom April 2013 – Wertsteigerung von derzeit rund 1000% in den ersten 8 Monaten des Jahres, verläuft die Wertentwicklung des Bitcoin im vierten Jahr in Folge wohl weitaus besser, als jegliche sonstige bei der Commerzbank AG erhältlichen Wertanlagen.

 
Darüber hinaus wird vor einer “Knappheit” der Währung gewarnt, welche letztlich dazu führen würde, dass Spekulationsblasen den Preis auf eine Kursachterbahnfahrt schicken würden. Zu dem derzeit sicherlich noch vorhandenen Problem der Volatilität ist auf den vorigen Absatz zu verweisen; die Aussage hinsichtlich der Knappheit der Währung, welche diesen nicht ausreichenden Fundus an “bloß” 21 Millionen Bitcoin als Mangel(!) darstellt, ist hingegen in zweierlei Hinsicht irreführend. Zum Einen sollte bei einer einigermaßen ausreichendenden Beschäftigung mit den Grundlagen von Bitcoin bekannt sein, dass ein Bitcoin durch die derzeit implementierten acht Nachkommastellen (welche bei entsprechender Notwendigkeit durch eine Mehrheit der Bitcoin-Community noch auf eine neunte, zehnte etc. Nachkommastelle erweitert werden können) bereits derart designt ist, dass auch ein wesentlich höherer Wert eines Bitcoin bei steigenden Nutzerzahlen kompensiert werden kann (es wird de facto also nie der Fall sein, dass es für einen Teil der Menschheit “keine Bitcoins mehr gibt”) – zum anderen stellt die Knappheit einer Währung keinen grundlegenden Mangel – sondern im Gegenteil eine grundlegende Qualität einer jeglichen Währung dar.

 
Murray Rothbard brachte diesen Umstand in seinem Essay “Take Money Back” aus dem Jahre 1995 äußerst dezidiert auf den Punkt:

“Money is different from all other commodities: other things being equal, more shoes, or more discoveries of oil or copper benefit society, since they help alleviate natural scarcity. But once a commodity is established as a money on the market, no more money at all is needed. Since the only use of money is for exchange and reckoning, more dollars or pounds or marks in circulation cannot confer a social benefit: they will simply dilute the exchange value of every existing dollar or pound or mark. So it is a great boon that gold or silver are scarce and are costly to increase in supply.

But if government manages to establish paper tickets or bank credit as money, as equivalent to gold grams or ounces, then the government, as dominant money-supplier, becomes free to create money costlessly and at will. As a result, this “inflation” of the money supply destroys the value of the dollar or pound, drives up prices, cripples economic calculation, and hobbles and seriously damages the workings of the market economy.”

(Source: http://mises.org/rothbard/moneyback.asp)

 
Im Hinblick auf diese Einsicht und vor dem Hintergrund der Schulden- und Währungspolitik vieler entwickelter Staaten in der Welt – einschließlich der krisengeschüttelten Eurozone – ist auch die Aussage Krämers, dass es “viel zu risikoreich” sei, sein Vermögen in Bitcoins zu halten, zu relativieren. Schließlich werden derzeit in diversen Staaten die entsprechenden rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen, um die “zypriotische Lösung” auch dort in Bälde im Bedarfsfalle durchführen zu können.

 
Chris D’Costa, Betreiber des Bitcoin-Blog blog.sossee.com fasste diese Gegebenheiten folgendermaßen pointiert zusammen:

“The Option of Last Resort is the bail-in, the process whereby a government permits a bank to seize your cash without warning, in order to pay back the lenders. I asked earlier why would our governments introduce legislation to permit bail-in when it was previously not allowed? Why introduce it if you weren’t going to use it? It will be used, and it will be used within a year or two, unless by some miracle the lenders decide that they have enough money already, and don’t need to be repaid.

As Tuur mentioned so vividly in his presentation imagine waking up one morning, and finding your bank account frozen, your savings and checking accounts blocked, your gold and other assets confiscated. That’s what happened when Cyprus changed the law to allow, bail-in. Now every country has followed the example and Europe has made it possible across all European states, no thanks to the banking lobby no doubt.

Now I ask you again, today: what is the point of having your money in a bank account, earning little or no interest when so much is at risk? Think about it and you decide.”

(Source: http://blog.sossee.com/2013/06/22/frozen-bank-accounts/)

 
Vor diesem Hintergrund ist die These von Krämer, dass der Bitcoin in 5 Jahren keinerlei Rolle mehr spielen werde, sicherlich eine äußert gewagte Ansicht des Chefsvolkswirtes der Commerzbank. Gerne laden wir aber Herrn Krämer dazu ein, einem der folgenden Treffen der lokalen Bitcoin-Community beizuwohnen, um sein Wissen und seinen Horizont bezüglich der voranschreitenden Bitcoin-/Kryptowährungsrevolution zu erweitern, welche unstreitig das Potenzial dazu besitzt, das bestehende Finanzsystem von Grund auf zu verändern.

Bericht vom ersten Meeting

Am Donnerstag, den 08.08.2013, fand es denn nun statt – das erste Treffen der Bitcoin-Community Frankfurt. Nachdem man im vorangegangem Monat über diverse Kanäle ausfindig zu machen versuchte, ob sich denn genügend Personen finden würden, die ein Interesse an einer solchen Community-Bildung in Frankfurt/Rhein-Main besäßen – und nach der erfolgten Terminfestlegung zaghaft an einigen wenigen Stellen im Netz die Veranstaltung ankündigte, stand man am betreffenden Abend nun zunächst zu zweit vor dem auserwählten Ort der Zentrale in Frankfurt-Bornheim (http://www.die-zentrale-ffm.de – an dieser Stelle ein großer Dank an die Köpfe hinter der Zentrale für die Zurverfügungstellung des Veranstaltungsortes) und rätselte darüber, ob man denn am Ende mit mehr als 5 Leuten rechnen könne… Nach und nach trudelte denn ein Interessierter nach dem anderen ein… – und unsere optimistische Variante der geschätzten Teilnehmerzahl von 10 Personen war somit schon vor dem Start des ersten Meetings der Frankfurter Bitcoin-Community übertroffen (die Teilnahmerzahl erhöhte sich im Laufe der Veranstaltung noch auf 13 Personen).

Das Meeting selbst begann zunächst mit einer Vorstellungsrunde, in welcher sich sogleich offenbarte, dass die Gruppe der Bitcoin-Interessierten ein breites Spektrum von persönlichen Hintergründen abzudecken weiß. Neben den (wenig überraschend) vertretenen ITlern fanden sich Selbstständige (welche ein Interesse daran besitzen, Bitcoin als Zahlungsmittel für ihre Dienstleistungen nutzbar zu machen), politisch Aktiven aus dem Kreise der libertären Bewegung (welche sich insbesondere über die Möglichkeiten der Veränderung der politischen Szenerie durch die Aufweichung des staatlichen Geldmonopols interessieren) als auch ein professioneller FOREX-Trader den Weg in die Runde. Eine bunte Mischung, welche wohl einigermaßen repräsentativ für die Allgemeinheit der Bitcoin-Nutzer zu stehen weiß – und gerade auf Grund ihrer differierenden Hintergründe eine Truppe, welche sich sicherlich gegenseitig durch die verschiedenen Blinkwinkel gedanklich zu inspirieren wissen wird.

Da dieses erste Treffen vorrangig als ein gegenseitiges “Beschnuppern” und notwendigerweise ohne feste inhaltliche Struktur konzipiert war, drehte sich die Diskussion in erster Linie darum, den “Bitcoin-Neulingen” am Tisch das Konzept der Bitcoins in vorrangig technischer Hinsicht zu erläutern (Basics, die an dieser Stelle auf Grund der zahlreichen im Netz verfügbaren Quellen sicherlich keiner weiteren Ausführung bedürfen). Das Treffen wurde abgeschlossen mit der Festlegung des nächsten Termines in der Zentrale FFM – am Donnerstag den 12.09.2013, 19 Uhr. Dieses Treffen wird denn auch inhaltlich eine stringentere Struktur/Schwerpunktsetzung erhalten – die Einzelheiten dazu folgen in den kommenden Tagen.

2. Meeting der Bitcoin Frankfurt Usergroup

Unser zweites Treffen findet am Donnerstag, den 12. September 2013, um 19 Uhr in der Zentrale FFM in der Berger Straße 175 statt.

Bitcoin-Neulinge als auch Enthusiasten sind herzlich zum Meeting eingeladen.