Archive / November, 2013

Bitcoin Frankfurt zu Besuch in Israel

Graffiti gegenüber der künftigen israelischen Bitcoin Embassy im Herzen des Finanzzentrums von Tel-Aviv – im Hintergrund: Der Neubau der israelischen Börse

 

In der vergangenen Woche bestand für ein Mitglied von Bitcoin Frankfurt die Möglichkeit der israelischen Bitcoin Community seine Aufwartung zu machen. Beim dortigen Besuch und dem Austausch mit weltweit anerkannten Bitcoinern wie Meni Rosenfeld, Ron Gross oder Vitalik Buterin (welcher sich zwecks Tiefenrecherche für diverse Artikel des Bitcoin Magazine bis zum vergangenen Dienstag 5 Wochen lang in Israel aufhielt) konnte man sich dabei davon überzeugen, welch aktive, lebhafte und prosperierende Bitcoin-Szene bereits vor Ort aktiv ist und dabei den Ruf bestätigt, dass in Israel wohl mit die ambitionierste Bitcoin-Szene weltweit zu verorten ist.

Während diverse israelische Bitcoin-Startup-Unternehmer eifrig auf der Suche nach Möglichkeiten sind, ihr Business über den engen israelischen Markt hinaus zu expandieren, arbeiten eher technisch orientierte Bitcoiner wie Meni Rosenfeld (www.coloredcoins.org) und Ron Gross (www.mastercoin.org) zielorientiert daran, mit auf dem Bitcoin-Protokoll basierenden Lösungen weitere Bereiche der weltweiten ökomischen Transaktionen zu revolutionieren. Neben dem beeindruckenden Gedeihen dieser Symbiose aus technischer Innovation und der daraufhin folgenden und notwendigen ökonomischen Nutzbarmachung dieser Innovationen im Markt, zieht der Bitcoin in Israel auch viele weitere helle Köpfe aus den Bereichen wie u.a. des Social Media Marketings an, welche darum bemüht sind ihre Expertise dem weiteren Aufblühen der Bitcoin-Community zur Verfügung zu stellen. Die Einrichtung der im Aufbau befindlichen israelischen Bitcoin Embassy, welche ihren symbolischen Platz im Finanzzentrum Tel-Avivs direkt gegenüber dem Hochhausneubau der israelischen Börse gefunden hat, und dabei als fester Anlaufpunkt für die israelische Bitcoin-Community sowie als Coworking-Space für diverse Bitcoin-Startups dienen soll, wird sicherlich ebenfalls im Prozess mithelfen, die israelische Bitcoin Community auf ein noch höheres Level zu heben.

Nicht vergessen werden soll dabei auch die beeindruckende menschliche Wärme, Offenheit und Gastfreundlichkeit, welche die israelische Community ihrem Frankfurter Gast erwies – so dass man als Fazit sicherlich festhalten kann, dass beide Seiten weiterhin an einem engen Austausch und möglicherweise gemeinsamer Arbeit an diversen Projekten rund um den Bitcoin, seien sie ökonomischer, seien sie “politischer” Natur (Dezentralisierung und Förderung des “Bottom-Up-Prinzips” hinsichtlich der Formation möglicher, nationaler, regionaler wie weltweit aktiver Bitcoin-Organisationen – für Details siehe die entsprechenden Auszüge in der Interview-Serie mit Meni Rosenfeld und Ron Gross im Bitcoin Magazine: http://bitcoinmagazine.com/7643/bitcoin-in-israel-interview-with-meni-rosenfeld-and-ron-gross-part-2/ ). Abschließend sei noch auf Episode 1 des neuen Youtube-Formats der israelischen Bitcoin-Community verwiesen – der israelische “Bitcoin Think Tank” – welcher darauf abzielt künftig in regelmäßigen Abständen die israelischen Bitcoin-Experten und mögliche internationale Gäste nach ihren Einschätzungen rund um aktuelle und fundamentale Themen mit Bezug auf den Bitcoin und verwandte Themen zu befragen.

Something about Bitcoins

Am 14.10.2013 fand in der Brotfabrik Frankfurt-Hausen der 53. Webmontag Frankfurt statt, anlässlich dessen Bitcoin-Frankfurt-Member Eric Sidibe vor rund 200 Zuschauern – bestehend aus einer bunten Bandbreite von Anwendern, Entwicklern, Gründern, Unternehmern, Venture Capitalists, Forschern, Web-Pionieren, Bloggern, Podcastern, Designern und sonstigen Interessenten – einen Einführungsvortrag zum Sein und Werden des Bitcoin hielt. Den Bericht des Webmontag Frankfurt könnt ihr hier nachlesen.

Bitcoin-Economy Frankfurt/Rhein-Main #1

Alex (24), Mitgründer von Bitcoin Frankfurt und Betreiber des LibertyStore

Alex (24), Mitgründer von Bitcoin Frankfurt und Betreiber des LibertyStore

Im Rahmen unserer neuen Interview-Serie “Bitcoin-Economy Frankfurt/Rhein-Main” wollen wir euch künftig jene Pioniere der Bitcoin-Bewegung in unserer Region ein wenig näher vorstellen, welche den Bitcoin bereits ganz greifbar als alternatives Zahlungsmittel für ihre Produkte und Dienstleistungen akzeptieren.

Den Auftakt unserer Serie bildet ein Interview mit Aleksander Winter (24), Betreiber des LibertyStore, welcher seit Februar 2013 seine “libertäre Propaganda” an den geneigten (und in der Regel mit dem Libertarismus / Anarchokapitalismus sympathisierenden) Kunden bringt und bis dato in dieser kurzen Zeit bereits ein vergleichsweise großes Wachstum aufzuweisen hat.

Seit Anfang Juni 2013 akzeptiert der Liberty Store nun auch den Bitcoin als Zahlungsmittel – und auch sonst betätigt sich Alex äußerst aktiv in der lokalen Bitcoin-Community um die Verbreitung in und um die Bankenmetropole – der “Hauptstadt des alten Finanzsystems” – auf diversen Ebenen zu fördern.

 

Bitcoin Frankfurt: Hallo Alex! Zu Beginn die Frage aller Fragen – wie und wo wurdest zum ersten Mal auf den Bitcoin aufmerksam?

Alex: Hey! Bevor ich vor ungefähr einem Jahr meine ersten Bitcoins für jeweils knapp über 9 Euro kaufte, wusste ich nur, dass es dort draußen irgendeine Internetwährung namens Bitcoin gibt. Wirklich auf Bitcoin aufmerksam wurde ich durch einen Freund an der Uni, der sich ein wenig Geld mit Arbitrage-Trading dazuverdiente. Ich machte ein bisschen mit und verkaufte die hinzugewonnenen Bitcoins endgültig im Januar für jeweils 10,50 Euro. Ich hielt das für einen hohen Kurs. Die Aufmerksamkeit hatte also noch nicht zur Folge, dass mir das revolutionäre Potential bewusst wird.

Bitcoin Frankfurt: Du sprichst es bereits an. Zu welchem Zeitpunkt wurde dir erstmals vollkommen bewusst, welches disruptive Potential dem Bitcoin innewohnt? Oder vollzog sich dies eher als ein gleitender Prozess?

Alex: Das muss irgendwann im Frühjahr vor der Blase gewesen sein, denn ich habe mir damals wieder einen Haufen Bitcoins zugelegt und nach Möglichkeiten gesucht, Bitcoin als Zahlungsmittel in meinem Onlineshop zu akzeptieren. Das Thema geisterte schon seit einiger Zeit durch die libertäre Szene, weshalb ich mich entschloss mich durch Artikel und Videos zu wühlen. Es gab keine Zweifel mehr: Bitcoin ist viel größer, als ich dachte.

Bitcoin Frankfurt: Du bist einer Mitgründer der lokalen Bitcoin-Community in Frankfurt/Rhein-Main – wie kam es dazu und welche Motivation steckte dahinter? Welche Aufgaben in der Community übernimmst du konkret?

Alex: Der ausschlaggebende Impuls kam von Dominik, dem anderen Mitgründer. Wir sahen, dass sich quer durch die Republik lokale Bitcoin Usergroups etabliert hatten, aber ausgerechnet in Frankfurt war nichts davon zu sehen. Wir waren uns sofort einig, dass wir Bitcoin Frankfurt gründen mussten. Ich entwarf also einen Flyer für das erste Meetup und richtete eine provisorische Website ein, während Dominik erstaunlich viele Leute im Bitcointalk zusammentrommelte. Heute bin ich für die gesamte Internetpräsenz und die internen Kommunikationsstrukturen von Bitcoin Frankfurt zuständig.

Bitcoin Frankfurt: Wie ist die bisherige Aufbauphase der örtlichen Community aus deiner Sicht verlaufen, welche Dinge haben dich positiv überrascht, vielleicht aber auch ein wenig ernüchtern lassen? Welche Dinge würdest du künftig noch gerne im Rahmen der Community angehen?

Alex: Gleich beim ersten Meetup war ich erstaunt über die Anzahl der Teilnehmer, was zum größten Teil Dominik zu verdanken ist. Auch wie die Community aufgestellt ist, finde ich hervorragend. Selbstständige, Unternehmer und Libertarians. Jeder lässt sich in gewisser Hinsicht ungerne Vorschriften machen. Dieser rebellische Geist ist bei dieser Sache unverzichtbar, auch um zukünftig die Verbreitung einer staatenlosen Währung zu fördern.

Bitcoin Frankfurt: Was ist deine Hauptmotivation die Verbreitung des Bitcoin aktiv zu fördern?

Alex: Als Libertarian bekomme ich allein von der Vorstellung, dem Staat und dem Bankenkartell die Kontrolle über das allgemein akzeptierte Zahlungsmittel entreißen zu können, Gänsehaut. Umso besser, wenn ich dabei mithelfen kann.

Bitcoin Frankfurt: Lass uns ein wenig auf deine geschäftlichen Aktivitäten zu sprechen kommen. Zu Beginn dieses Jahres bist zu mit dem “LibertyStore” online gegangen, der bis dahin ein beachtliches Wachstum verzeichnen konnte und sich auch bereits fest in der deutschsprachigen libertären Szene verankert hat. Wann kam dir die Idee dazu,  welche Geschichte steckt dahinter – und wie ist deiner persönlichen Einschätzung nach der bisherige Werdegang des LibertyStore einzuschätzen?

Alex: Irgendwo las ich mal den Spruch „If you‘re good at something, don’t do it for free“. Mir kam als Hobbygrafiker also die Idee, ein Projekt zu starten, an dem ich kontinuierlich weiterarbeiten würde, und mit dem ich den ein oder anderen Euro (und später auch Bitcoin) dazuverdienen könnte. Damit ich die Motivation nicht verliere, musste das Projekt mit einer Sache verbunden sein, die mir am Herzen liegt, und diese Sache ist Freiheit. Heraus kam im Februar dieses Jahres ein libertärer Onlineshop, der meine anfänglichen Erwartungen übertroffen hat.

Bitcoin Frankfurt: Was bewog dich dazu, im Juni dieses Jahres den Bitcoin als Zahlungsmittel für deinen Shop zu akzeptieren und wie sind die bisherigen Erfahrungen diesbezüglich?

Alex: Bitcoin ist im Kern eine befreiende Technologie und damit eine libertäre Angelegenheit. Es stand außer Frage, dass ich in der Lage sein muss, Zahlungen in Bitcoin anzunehmen. Ich suchte verzweifelt nach einer Möglichkeit, Bitcoin in mein bestehendes Shopsystem zu integrieren. Vergeblich. Ich musste auf ein völlig neues Shopsystem umsteigen, was mit einer schlaflosen Nacht jedoch getan war. Obwohl ich inzwischen 20 Prozent Rabatt auf jede Bestellung anbiete, die per Bitcoin bezahlt wird, entscheidet sich bisher lediglich jeder Zehnte dafür, mit Bitcoin zu zahlen. Und wir reden hier von einem libertären Kundenkreis. Es ist also noch ein langer Weg, doch das Momentum wächst.

Bitcoin Frankfurt: Am 29.11. findet wieder der Bitcoin-Friday statt. Ist seitens des LibertyStore eine Beteiligung an dieser weltweiten Aktion zur Förderung der Bitcoin-Popularität geplant?

Alex: Ja.

Bitcoin Frankfurt: Könntest du dir vorstellen, in absehbarer Zeit weitere Aktivitäten – sei es Non-Profit, sei es kommerzieller Natur – rund um den Bitcoin zu starten?

Alex: Auf jeden Fall. Vielleicht ergibt sich auch im Rahmen der Community die eine oder andere Geschäftsidee. Ein paar Konzepte schweben mir bereits jetzt im Kopf herum.

Bitcoin Frankfurt: Abschließend – wo siehst du den Bitcoin in 5 Jahren? Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank, sah es angesichts dessen, dass er seinen Kaffee ja auch in Euro bezahlen könne, praktisch als erwiesen an, dass der Bitcoin am Ende dieser Zeitspanne keinerlei Rolle mehr spielen werde?

Alex: Früher oder später wird die Commerzbank keine Rolle mehr spielen.